Landgestützte Telemedizin-Stationen (LTMS) zur vernetzten Versorgung für ländliche Räume in Schleswig-Holstein

 

Hintergrund

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem Strukturwandel: viele jüngere Menschen zieht es in Ballungsgebiete, was im ländlichen Raum nicht nur zu einer Abnahme der Bevölkerungsdichte führt, sondern bedingt durch demographische Unterschiede auch zu einer wachsenden altersbedingten Morbiditätslast. Gerade vor dem Hintergrund des allgemeinen Ärzte-/ Pflegepersonalmangels und der Überlastung des Notfallsystems stellt dieser anhaltende Trend unsere flächendeckenden medizinischen Versorgungseinrichtungen vor große Herausforderungen, die gerade hier, im dünn besiedelten Schleswig-Holstein, schon lange spürbar sind.

Wir brauchen neue Versorgungsmodelle, die nicht nur ein qualitativ bestmögliches Niveau sicherstellen, sondern auch einen effizienten Einsatz personeller Ressourcen berücksichtigen. Neue technische Verfahren eröffnen Möglichkeiten in der medizinischen Versorgung, für deren Einsatz erst seit 2018 in Deutschland eine Rechtsgrundlage besteht.

Ziele

Das Projekt richtet sich in erster Linie an chronisch kranke und schlecht mobile Patientinnen und Patienten in Senioren- und Pflegeheimen. Ihre reguläre ärztliche Betreuung soll erleichtert werden. Auch streben wir eine bessere diagnostische Grundlage durch den Einsatz tragbarer medizinischer Geräte in Notfällen an, um belastende und kostenintensive Einsätze des Rettungsdienstes zu vermeiden, wenn sie sich als nicht erforderlich herausstellen.

Methode

Drei Senioren-/Pflegeheime im Kreis Dithmarschen nehmen als „Landgestützte Telemedizin-Stationen, LTMS“, die von nichtärztlichem medizinischem Fachpersonal betreut werden, in der Pilotstudie teil. Sie erhalten eine telemedizinische Ausrüstung (AescuLink-System, GHC GmbH), die aus einem Laptop mit Video, Ton und Chatverbindung und verschiedenen diagnostischen Geräten besteht. Die LTMS werden mit einem Telearztzentrum und ausgewählten Arztpraxen vernetzt, die je nach Bedarf kontaktiert werden können. Das Einsatzspektrum der LTMS umfasst unter anderem eine ärztlich fundierte Ersteinschätzung in Notfällen, laufende Betreuung in der Regelversorgung chronisch Kranker, Nachsorge stationärer Behandlungen und apparative Diagnostik. Dieses Telemedizinische Versorgungsnetz soll modellhaft erprobt werden, um auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse neue Netzwerke zu etablieren.

Förderung und Laufzeit

Das Projekt wird vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein von 2019 bis 2022 gefördert.

Projektverantwortliche

Antragsteller: Burkhard Sawade (Medizinisches Qualitätsnetz Westküste. e. V.)

Verantwortlicher Ansprechpartner: Dr. Thomas Schang (ife Gesundheits-GmbH)

Pflegeheime: DRK Kreisverband Dithmarschen, Heide

Telemedizin-Technik-Lieferant und techn. Support: Global Health Care GmbH, Berlin

Projektentwicklung, Projektmanagement, Schulungen, Netzwerkserver und Archiv, Bereitstellung Telearztzentrum: ife Gesundheits-GmbH

Wissenschaftliche Evaluation: Institut für Allgemeinmedizin, CAU zu Kiel