Modellhafte Erprobung von quantitativen CRP-Tests am Point-of-Care im Rahmen einer rationalen Antibiotika-Therapie

Hintergrund

Die Antibiotikaverordnungsraten bei Infekten sind in Deutschland zu hoch. Das gilt besonders häufig für Infekte der Atemwege, denn diese werden zu 80-90 % nicht durch Bakterien, sondern durch Viren verursacht. In solchen Fällen sind Antibiotika wirkungslos und nicht Mittel der Wahl. Die vielfach unnötigen Antibiotikaverordnungen erhöhen nicht nur das Risiko für die Entwicklung (multi-)resistenter Erreger, sondern sie können auch unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen und stellen eine finanzielle Belastung für das Gesundheitssystem dar. Die Gründe für die hohen Verschreibungsraten sind vielfältig. Ein wesentlicher Grund liegt in den begrenzten diagnostischen Möglichkeiten der ambulanten Praxen (dem „Point of Care“, womit in diesem Zusammenhang hausärztliche, kinderärztliche und HNO- Praxen gemeint sind). Um die Ursache eines Infekts eingrenzen zu können, müssen verschiedene Parameter geprüft und abgewogen werden, denn kein einzelner Test kann in einem schnellen Verfahren vor Ort eine eindeutige Diagnose liefern.

Die Messung des C-reaktiven Proteins (CRP) im Blut als Entzündungsmarker ist einer dieser Tests und liefert je nach Situation wichtige Informationen für die Auswahl der Therapie. In der Regel ist es notwendig, die dafür nötigen Blutproben in externe Labore zu schicken. Dadurch wird das Ergebnis des Tests allerdings teilweise erst mit tagelanger Verzögerung bekannt, was für die Therapieentscheidung oft zu spät ist. Zwar existieren auch CRP-Schnelltests für Praxen, allerdings sind die bislang als Kassenleistung verfügbaren Schnelltestsysteme für viele Fragen im Alltag zu ungenau.

Im Rahmen eines Modellprojekts wird nun unter Mitwirkung des Instituts für Allgemeinmedizin der CAU die Möglichkeit geschaffen, in Hamburger Arztpraxen den CRP-Wert als Kassenleistung direkt in der Praxis innerhalb weniger Minuten sehr genau zu bestimmen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH), die Krankenkassen AOK Rheinland/Hamburg, die IKK classic, die DAK-Gesundheit sowie der BKK - Landesverband NORDWEST unterzeichneten hierzu eine entsprechende Vereinbarung nach §§ 63, 64 SGB V.

Studienergebnisse (Karl und Kaduszkiewicz, 2018) legen nahe, dass durch diese quantitativen Point-of-Care (PoC)-Tests die Antibiotikaverordnungsraten bei Infekten der Atemwege um 14-22 % gesenkt werden können.

 

Methode

Alle in Hamburg tätigen Hausärztinnen und Hausärzte sowie Fachärztinnen und –ärzte für Kinder- und Jugendmedizin und Hals-Nasen-Ohrenheilkunde haben die Möglichkeit, an dem Projekt teilzunehmen. Sie erhalten eine Schulung, die vom Institut für Allgemeinmedizin der CAU in den Räumen der KVH durchgeführt wird und führen den quantitativen PoC-CRP-Schnelltest in ihren Praxen ein. Es soll in erster Linie untersucht werden, ob die Anwendung des Tests bei Infekten der Atemwege und Mittelohrentzündungen zu einer Reduktion der Antibiotikaverordnungen im Vergleich zum Vorjahr führt.

 

Weiterführende Information

http://www.kvhh.net/media/public/db/media/1/2019/01/797/crp_modellvorhaben_mithinweis_2019-07-26.pdf