Neumünsteraner Modell: Unterstützung durch Ehrenamtliche und Qualifizierung von Pflegeeinrichtungen in Palliative Care

 

Hintergrund und Ziele

Immer mehr ältere Menschen verbringen das Ende ihres Lebens in einer stationären Pflegeeinrichtung. Die Implementierung von Hospizkultur und Palliativkompetenz in stationäre Einrichtungen der Altenhilfe, die auch von immer mehr Trägern unterstützt wird, hat daher eine zentrale Bedeutung. Die Versorgung und Begleitung schwerstkranker und sterbender älterer und hochbetagter Menschen sowie ihrer Zugehörigen stellt besondere Anforderungen an die Pflegenden, Ärztinnen und Ärzte sowie alle Beteiligten aus den verschiedenen weiteren Berufsgruppen und damit verbunden an die Einrichtungen, in denen die Menschen leben. Hospizkultur und Palliativversorgung müssen daher zum integrativen Bestandteil des Versorgungsauftrages jeder stationären Pflegeeinrichtung werden.

Die Entwicklung regionaler Netzwerke, in die u.a. ambulante Hospizdienste als Kooperationspartner zur palliativ-hospizlichen Versorgung und Begleitung eingebunden sind, ist in diesem Zusammenhang von sehr großer Bedeutung. Im Rahmen des Aufbaus dieser Kooperationsnetzwerke ist die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine wesentliche Aufgabe der Hospizarbeit und Palliativversorgung in Pflegeeinrichtungen. Dies nicht zuletzt auch deswegen, weil dadurch die Begleitung und Betreuung von Menschen am Lebensende als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe deutlich wird und ein gesellschaftlicher Diskurs über Sterben, Tod und Trauer angeregt werden kann.

Das Ziel des Projekts ist es, die Mitarbeiter/innen von Neumünsteraner Pflegeeinrichtungen bei ihrer psychosozialen Betreuung schwerkranker und sterbender Menschen durch ehrenamtliche Hospizhelfer/innen zu unterstützen und sie mittels Fortbildungen in Bezug auf die hospizliche Haltung zu qualifizieren. Damit sollen die Mitarbeiter/innen entlastet und im Umgang mit sterbenden Menschen gestärkt werden. Ihre Arbeitszufriedenheit und die Palliativkompetenz der Einrichtungen sollen steigen und insbesondere die Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige können von dem Projekt im Sinne einer Steigerung der Zufriedenheit mit der Versorgung profitieren.

Zielgruppe des Projekts sind Mitarbeiter/innen von 5 Neumünsteraner Pflegeeinrichtungen, sowie eines ambulanten Pflegedienstes inklusive der dort betreuten Bewohner/innen und deren Angehörige.

 

Methode und Durchführung

Die Hospiz-Initiative Neumünster e.V., die Palliativstation am Friedrich-Ebert- Krankenhaus (FEK) Neumünster und das SAPV Netz Neumünster haben sich im November 2017 zusammengeschlossen und eine Kooperation mit Pflegeeinrichtungen in Neumünster begonnen. Dazu wurden alle 12 Pflegeeinrichtungen angeschrieben und zu einem Informationstreffen im FEK eingeladen. Es kristallisierten sich 5 Pflegeeinrichtungen und ein ambulanter Pflegedienst (mit Schwerpunkt bei der Betreuung von Menschen in Seniorenwohnanlagen) heraus, mit denen im Juni/Juli 2018 in zwei Sitzungen konkrete Maßnahmen zur Kooperation besprochen wurden. Es handelt sich um die Einrichtungen Ansgarstift, AWO Haus an der Stör, AWO Servicehaus am Wasserturm, Propst-Riewerts Haus Alten- und Pflegeheim, Seniorenheim Haus Berlin gGmbH und Pflege am Stahlwerk. Die vereinbarten Maßnahmen, als „Neumünsteraner Modell“ bezeichnet, zielen ab auf die

 

1. Unterstützung der Mitarbeiter/innen der Pflegeeinrichtungen durch ausgebildete, ehrenamtliche Hospizhelfer/innen sowie

2. die Qualifizierung der Mitarbeiter/innen der Pflegeeinrichtungen.

 

Die Unterstützung der Mitarbeiter/innen der Pflegeeinrichtungen richtet sich explizit an alle Mitarbeiter/innen, d.h. Pflegekräfte sowie z.B. Betreuende und Mitarbeiter/innen des hauswirtschaftlichen Bereichs. Sie erfolgt mittels der Bestimmung verbindlicher Ansprechpartner der Hospiz-Initiative Neumünster in Form zweier „Paten“ pro Pflegeeinrichtung, die als Kontaktpersonen regelmäßig die Einrichtungen aufsuchen.

Die Koordination des Einsatzes der Paten sowie der weiteren Ehrenamtlichen erfolgt durch hauptamtliche Mitarbeiter/innen der Hospiz-Initiative Neumünster in folgenden Punkten:

 

  • regelmäßiger Einsatz ehrenamtlicher Hospizhelfer/innen in den Pflegeeinrichtungen
  • Einrichtung eines Trauercafés
  • monatliche Treffen mit den Mitarbeitern und Ehrenamtlichen zum Erfahrungsaustausch bzw. zu Fallbesprechungen
  • Beratung zu Möglichkeiten der räumlichen Umgestaltung sowie
  • Beratung und Unterstützung bei der Betreuung Angehöriger

                                      

Die Qualifizierung der Mitarbeiter/innen der Pflegeeinrichtungen erfolgt mittels des Curriculums Palliative Praxis im Umfang von 40 Stunden, offener Fortbildungen (6 á 90 min pro Jahr) zu palliativmedizinisch relevanten Themen, sowie der Möglichkeit zur Hospitation auf der Palliativstation des FEK Neumünster.

Förderung und Laufzeit

Das Projekt „Neumünsteraner Modell: Unterstützung durch Ehrenamtliche und Qualifizierung von Pflegeeinrichtungen in Palliative Care“ wird seit dem 01.05.2019 vom Institut für Allgemeinmedizin gemeinsam mit dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband e.V., der Hospiz-Initiative Neumünster e.V. und dem Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster durchgeführt und läuft bis zum 30.04.2021. Es wird von der Damp-Stiftung gefördert.